Stiftsmusik Stuttgart

Königin-Katharina-Orgel

Die Orgel der Schlosskirche


© sanderfotodesign Irina Rempp

Die Orgel der Evangelischen Schlosskirche Stuttgart

Königliche Klänge in der Schlosskirche

Im August 2026 konnte nach langjähriger Planungs- und Bauzeit die Königin-Katharina-Orgel in der Schlosskirche begrüßt werden. Seit Ostern wurde die Orgel von den Orgelbauer:innen der Firma Rieger aus Schwarzach, ÖSterreich in der frisch renovierten Schlosskirche eingebaut und im Anschluss von Intonateur Alois Schwingshandl intoniert. 

Die Königin-Katharina-Orgel ist von ihrer äußeren Erscheinung her an die bedeutende Walcker-Orgel der Schlosskirche aus dem Jahr 1865 angelehnt. Auch klanglich nimmt sie die Spuren des Vorgängerinstruments auf und interpretiert sie für die heutige Zeit.

Mit der Königin-Katharina-Orgel lassen sich neue, attraktive Konzertformate entwickeln, die das musikalische Angebot rund um den Schillerplatz um einen wichtigen Baustein erweitern werden. Die Schlosskirche als Ort für Konzerte, musikalische Führungen, Museumsrundgänge und originelle  Veranstaltungsformate wird eine willkommene Ergänzung nicht nur für die Kirchenmusik in Stuttgart insgesamt, sondern auch die Stunde der Kirchenmusik darstellen. Die Schlosskirche wird durch die neue Orgel zu einem Zentrum der Nachwuchsförderung. Junge Organist*innen aus der ganzen Region können an der »Katharina« wertvolle Erfahrungen sammeln. Durch die Königin-Katharina-Orgel wird die Schlosskirche aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt und für die nächsten Generationen nachhaltig aufgewertet.

Die Kosten der Orgel von rund 850.000 Euro zuzüglich Nebenkosten wurde über vier Säulen finanziert: eine Anschubfinanzierung des Projektträgers, der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Stuttgart; großzügige Förderungen mehrerer Stiftungen und Unternehmen aus der Region Stuttgart, Zuschüsse des Vereins Freunde der Stiftsmusik Stuttgart e.V. und Spenden und Orgelpfeifen-Patenschaften von vielen hundert Einzelpersonen. Noch ist die neue Orgel nicht vollständig finanziert: werden Sie Orgelpfeifen-Patin oder Pate:

Orgelpfeifen-Patenschaften

 

I Hauptwerk, C-a3
Bordun 16‘
Prinzipal 8‘
Gedeckt 8‘
Salicional 8‘
Oktave 4‘
Oktave 2‘
Silberglanz 2f. 2‘
Sternenklang 2f. 1‘           

II Positiv (schwellbar), C- a3
Geigenprinzipal 8‘
Lieblich Gedeckt 8‘
Viola 8‘
Voix Catherine 8‘
Traversflöte 4‘
Dolce 4‘
Nasard 2 2/3‘
Flautino 2‘
Terz 1 3/5‘
Oboe 8‘

III Himmelswerk (zusammen mit II schwellbar), C- a3
Konzertflöte 8‘
Königin (= Trompete) 8‘
Physharmonika 8‘ (mit eigenem Windschweller)

Pedal C-f‘
Violonbaß 16‘
Subbaß 16‘
Oktavbaß  8‘
Violoncell 8‘
Oktave 4‘
Fagott 16‘        

Koppeln II/I, III/I, III/II, III/P, II/P, I/P

Subkoppeln III/III, II/II, II/I

Superkoppeln II/II, II/I, III/P

Mechanische Spieltraktur, elektrische Registertraktur, elektronische Setzeranlage

Sternenklang 1‘: Inspiriert von den goldenen Sternen auf blauem Grund im Gewölbe der Schlosskirche heißt die helle Klangkrone unserer Orgel Sternenklang – wie nirgendwo sonst! Die üblichen Bezeichnungen für mindestens zwei Pfeifen pro Taste – in hoch über dem Grundton liegenden Oktaven und Quinten – sind beispielsweise Mixtur (deutsch), Fourniture (französisch) oder Ripieno (italienisch).

Prinzipal 8‘: Von den 1386 Pfeifen unserer neuen Orgel sind die wenigsten sichtbar: Die meisten Pfeifen der Manualwerke befinden sich im Gehäuse, jene des Pedals an der Rückwand der Empore. Der Prinzipal, das Hauptregister des Instruments, steht hingegen im Prospekt – der Schauseite – und strahlt dank seiner Legierung aus viel Zinn und wenig Blei (für weichen Ton und Formbarkeit des Materials) optisch in den Raum. Sein Klang ist füllig, zugleich samtig-weich und singend.

Voix Catherine: Ein feiner, schwebender Klang wird im Orgelbau erzeugt durch ein schlank gebautes Streicherregister, das zu einem Partnerregister – bei uns die Viola 8‘ – bewusst eine Spur zu hoch oder zu tief gestimmt ist. Die Platzierung im Schwellwerk eröffnet ein subtiles An- und Abschwellen. Meist heißen solche Register Vox coelestis oder Voix céleste („himmlische Stimme“). Der Name Voix Catherine ist eine Reverenz an die Patronin unserer Orgel, Königin Katharina von Württemberg (1788-1819).

Physharmonika 8‘: Der obertonreiche, intime Klang dieses hochromantischen Orgelregisters erinnert an Harmonium oder Akkordeon und beruht auf der Verwendung durchschlagender Zungen – im Gegensatz zu den aufschlagenden Zungen etwa einer Trompete oder Oboe. Mittels eines eigenen Windschwellers lässt sich der Ton aus dem zartesten pianissimo zu einem vollen piano für innige Soli führen. Auch eine helle Akzentuierung von Flöten- und Streicherregistern ist möglich. Unsere Physharmonika ist derzeit die einzige in Stuttgart!

Konzertflöte 8‘: Für drei Soloregister unserer Orgel – Konzertflöte, Königin (= Trompete) und Physharmonika – ist das Himmelswerk auf dem dritten Manual reserviert. Dadurch ergeben sich vielfältige Begleitmöglichkeiten auf Hauptwerk und Positiv. Die Konzertflöte ist ein typisches Register der deutschen Romantik mit offener, weit gebauter Pfeifenform – eine „Diva“, die das Instrument vor allem in der hohen Lage mit ihrem runden, fülligen und tragfähigen Klang intensiv zum Singen bringt.

Königin 8‘: Ein majestätisch-prächtiger Klang eröffnet vielfältige Assoziationsräume; bei diesem Trompetenregister mit seiner vollen, ins Dunkle tendierende Grundtönigkeit denken wir zunächst an Königin Katharina. Zugleich symbolisiert der Klang das geistig Erhabene und weist damit über das Weltliche hinaus. Unser Königin-Register ist ein markanter Solist, der jedoch auch das große, vollgriffige forte mit allen Registern kraftvoll und zugleich gesanglich zusammenbindet.

Dolce 4‘: Dieses eng mensurierte Streicherregister klingt, wie sein Name verspricht: sanft und mild. Im schwellbaren Positiv kann es über Lieblich Gedeckt 8‘ oder Viola 8‘ einen feinen Helligkeitsakzent setzen, nie dominant, sondern stets nobel und zurückhaltend. Mendelssohn Bartholdy schwärmte von einem solchen Register („ganz sanfte 4 Fuss“). Die Verbindung einer 8′-Grundstimme mit einer zarten 4′-Stimme entspricht zugleich einer für Max Regers Begleitstimmen charakteristischen Klangvorstellung. An vielen modernen Orgeln ist dies kaum zu verwirklichen; mit unserem Dolce 4′ gelingt es jedoch sehr überzeugend.

Silberglanz 2‘: Wurde zu Königin Katharinas Zeiten im Alten Schloss gespeist, so geschah dies gewiss nicht ohne Silberbesteck und glänzende Karaffen. Silbrig wirken auch viele Pfeifen unserer neuen Orgel – ihr Glanz stammt allerdings vom Zinn. Auch Klänge werden häufig mit Licht- oder Farbeindrücken assoziiert, und wie zum hohen Sternenklang 1‘ passt ebenso zum Silberglanz 2‘ das Leuchtende und Helle. Dass die Mixtur mit ihren hohen Oktaven und Quinten bei einer Orgel unserer Größe auf zwei Registerzüge verteilt ist, ist eine Seltenheit – und erlaubt, den Klang stufenweise aufzuhellen und zu verstärken.

Es gibt sie schon seit 1845, die Orgelbaufirma Rieger, mit rund 60 Mitarbeiter:innen heute einer der größten weltweit. Sie hat ihren Sitz in Schwarzach in der Nähe von Bregenz in Österreich. Schon im 19. Jahrhundert wurden Instrumente nach Skandinavien und Südosteuropa exportiert, darunter große Konzertsaalorgeln. Nach dem II. Weltkrieg musste der Betrieb im österreichischen Vorarlberg neu aufgebaut werden. 1949 gelang auf der Messe in Dornbirn der Durchbruch, und Musiker wie Hindemith und Karajan wurden auf Rieger aufmerksam. Bald wurden Orgeln bis nach USA und Übersee geliefert.

Instrumente der jüngsten Zeit finden sich hier: Stephansdom Wien, Music Center Helsinki,  Göteborg Concert Hall, Brucknerhaus Linz, Lotte Concert Hall Seoul, Philharmonie Paris.

Beeindruckt war die Orgelkommission mit dem Sachverständigen KMD Thomas Haller, Prof. Jon Laukvik und Stiftskantor Kay Johannsen davon, dass Rieger fast sämtliche Teile der Orgel selbst herstellt, sogar die Elektronik zur Klangspeicherung.

Im Jahr ihrer Einweihung erhielt die Schlosskirche von einem unbekannten Meister »ein treffliches kleines Werklein einer Orgel«. Es stand – so wie alle vier folgenden Orgeln – auf einer eigenen Empore in der chorartigen Apsis.

Rund dreißig Jahre später, 1594, baute der blinde Orgelmacher Conrad Schott ein reich mit Gold und Farben verziertes Instrument. Für die damalige Zeit war es recht groß: 16 Register mit 1079 Pfeifen konnten gezogen werden!

Erst 1740 kam ein drittes Instrument in die Schlosskirche. Es hatte wiederum 16 Register und stammte von Orgelbauer Georg Friedrich Schmahl. Die Disposition ist bekannt. Vier 8‘-Register sorgten für einen schön grundierten Klang in den Manualwerken. Als besonderes Zungenregister stand die Vox humana im II. Manual zur Verfügung. Schmahl, der »schwäbische Silbermann«, fügte ohne Auftrag noch einen kräftigen Posaunen-Baß im Pedal hinzu.

1862 schreibt Heinrich Hartmann, dass „hinter dem Altar [ein] schönes, großes Wandgemälde von Hetsch, Christi Himmelfahrt darstellend“ zu sehen sei. „Hinter dems. d. Org., 1836 von Walcker geb. mit 24 Reg.“ Die Disposition dieser vierten Orgel ist nicht bekannt, aber die Anzahl ihrer Register ist beachtlich.

1865 erhielt die Schlosskirche im Zuge der Instandsetzung eine dreiseitige Empore, auf dessen Nordwestseite eine neue Orgel von Eberhard Friedrich Walcker Platz fand. Auf dieser Seite sind sehr passend einige Schutzheilige der Musik an der Emporenbrüstung zu sehen. Hinter dem schönen Prospekt (siehe Rückseite dieses Flyers) befanden sich 12 Register, die jedoch schon 1872 um vier weitere ergänzt wurden. 1906 fügte Walcker noch zeittypisch einen Schwellkasten hinzu, in dem die Register Aeoline und Rohrflöte eingebaut waren.

Im II. Weltkrieg war die Orgel offenbar durch Druckwellen, die auch die farbigen Fenster der Schlosskirche zerstört hatten, erheblich beschädigt worden. Unter der Aufsicht von Dr. Walter Supper baute die Firma Walcker 1946 nun ein Instrument mit wiederum 18 Registern und technischen Hilfsmitteln wie z.B. einer Crescendo-Walze. Teile der alten Orgel wurden wohl wiederwendet.

Nach der Renovierung der Schlosskirche in den 70er Jahren wurde diese vermutlich minderwertige Orgel entfernt und aus unbekanntem Grund auf der gegenüberliegenden Seite ein Instrument von Diethelm Berner nach einer Disposition des Stiftsorganisten Prof. Herbert Liedecke erbaut. Register der Vorgängerorgel wurden teilweise wiederverwendet, z.B. die Oboe. Im Mai 2024 wurde die Berner-Orgel der Schlosskirche ausgebaut. Bilder zum Orgelausbau finden Sie hier. Sie wurde in das französiche Mantes-la-Ville nahe Paris transportiert und dort in der Kirche Sacré Coeur wieder aufgebaut und erweitert.

Die Schlosskirche wurde im Anschluss renoviert und im Jahr 2026 wurde die neue Königin-Katharina-Orgel der Orgelbaufirma Rieger eingebaut.

Website der Königin-Katharina-Orgel