Stiftsmusik Stuttgart

Pressestimmen

Zwischen Symphonie und Oratorium

Dietholf Zerweck (23. April 2019 Ludwigsburger Kreiszeitung)

Die Aufführung (der Missa solemnis von Ludwig van Beethoven an Karfreitag, Anm. der Red.) mit der Stuttgarter Kantorei, der mit Instrumentalisten der großen Stuttgarter Orchester prominent besetzten Stiftsphilharmonie und namhaften Gesangssolisten in der Stiftskirche, erreichte an diesem Tag eine besondere spirituelle Qualität, die in Johannsens Interpretation überwältigte. (...) Auch in der »Adoramus te«-Fuge (»Wir beten dich an«) zeigt der Chor, mit welch hervorragend geschulter Artikulation und makelloser Interpretation er sich im Wettkampf mit dem Orchester behauptet. Mit mitreißendem Drive spannt Johannsen dann den Bogen zur Schlussfuge und den wie Blitze niederfallenden »Gloria«-Rufen. 

Weites Feld

Rejoice - Vokalmusik von Kay Johannsen

Susanne Benda (15. Januar 2019 Stuttgarter Zeitung)

Die Musik kommt von der Praxis: Sie will gesungen werden, sie ist dem Chor (dem solistenensemble stimmkunst) und den Solisten (unter anderen der Sopranistin Franziska Bobe, die mit ihrem fast knabenhaften vibratoarmen Solo bei »Der Herr ist mein Hirte« nachhaltig bezaubert) gleichsam in die Kehle komponiert. Die Harmonik ist freundlich erweitert, im Herzen tonal; zu hören sind Cluster ebenso wie weit geschwungene Melodielinien. Diese Musik will klingen, will verstanden werden, und sie will auch schlicht in Schönheit wirken. Dabei ist das stilistische Feld keineswegs eng – was auch damit zusammenhängt, dass Johannsen seine Mittel an den vertonten Texten ausrichtet. Da steht Mehrchöriges neben Gospelartigem, rhythmische Schärfung neben den Gegenstimmigem und reinem Gesang, und klare Bezüge zur kirchenmusikalischen Tradition wechseln sich ab mit betont freien Passagen. Hörend meint man einen Kosmus zu durchschreiten. Hätte Stuttgart die Fähigkeit zum Stolz: Bei diesen Werken ihres Stiftskantors fände die Stadt Gründe dafür.

Bravouröse Klangvisionen

Nathan Laube beeindruckt seine Zuhörer beim Internationalen Orgelsommer in der Stiftskirche

Dietholf Zerweck (10. August 2018 Ludwigsburger Kreiszeitung)

Er ist ein Topstar der internationalen Orgelszene. Ob er nun in Notre Dame in Paris oder in der Londoner St. Paul's Cathdral, in der King's College Chapel in Cambridge oder in der Walt Disney Concert Hall in Los Angeles musiziert: Nathan Laube beigeistert und erstaunt sein Publikum sowohlh durch seine atemberaubende Virtuosität wie auch durch die absolut überzeugende Stilistik seiner Interpretationen. (...) Atemberaubend jedoch ist seine ((Nathan Laube)) Bearbeitung, auf der Basis der Transkription Edwin Lemares, von Richard Wagners »Tannhäuser«-Ouvertüre. Wenn sich das Pilgerchor-Thema und die Venusberg-Kaskaden überlagern, erzeugt Nathan Laube mit zwei Händen gleichzeitig auf drei Manualen und den Pedalwirblen seiner Füße einen Rausch der Ekstase, welcher der originalen Orchesterversion in rein gar nichts nachsteht. Hier wird die Mühleisen-Orgel mit ihren 81 Registern zum unglaublich prächtigen, ausdrucksstark differenzierten Instrument einer Klangvision, die von Laubes grandioser Virtuosität geprägt ist.

Orgelsommer: Faszination französischer Kathedralmusik

Orgelkonzert Karol Mossakowski, 6. Juli

Dietholf Zerweck (9. Juli 2018 Ludwigsburger Kreiszeitung)

Unter den Veranstaltungsreihen der Orgelzyklen (...) spielt der Internationale Orgelsommer in der Stiftskirche eine besondere Rolle. Hier zeigen Orgelvirtuosen aus aller Welt auf der Mühleisen-Orgel ihr bewundernswertes Können, und gerade das französische Repertoire ist in diesem Juli und August wieder ausgiebig präsent. (...) Karol Mossakowski ist nicht nur ein souveräner Interpret französischer Orgelmusik, sondern brilliert auch mit eigenständigen Improvisationen, die er im Konzert in der Stiftskirche zwischen den Werken von Charles Tournemire, César Franck und Maurice Duruflé platzierte. (...) Seine ((Charles Tournemire)) »Victimae paschali laudes« beginnt mit einer strahlenden Fanfare, nach der Karol Mossakowski die zahlreichen reizvollen Soloregister der Mühleisen-Orgel wunderbar zum Klingen brachte. Die mystische Klangwelt des Komponisten entfaltete sich organisch, die brillante Schluss-Toccata zeigte die großartige Virtousität des jungen polnischen Organisten. 

Trauermusik zur Fastenzeit

»Actus Tragicus« bei Bach:vokal in der Stuttgarter Stiftskirche

Dietholf Zerweck (27. Februar 2018 Ludwigsburger Kreiszeitung)

(...) Die 16 Gesangsprofis gerantieren einen lupenreinen Chorklang, was sich schon in Bachs Trauermusik »O Jesu Christ, meins Lebens Licht« mit voller Streicherbesetzung, Continuo und konzertierenden Oboen des Ensemble Stiftsbarock aufs Schönste verwirklichte. Be der einleitend musizierten Kantate «Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn« zeigten sich dagegen die solistischen Instrumente von Traversflöte, Violine und Oboe d'Amore im reizvollen Dialog mit den Gesangssolisten. Mit starkem Ausdruckskontrast hat Bach im »Actus Tragicus« die Auseinandersetzung von Chor, Solo-Sopran und instrumentalem Cantus Firmus komponiert. Hier bot die junge Sopranistin Franzsika Bobe eine wunderbare lichte, verklärte Deutung des Todes aus neutestamentarischer Sicht, und zusammen mit Magdalena Harer und dem Tenor Stephan Scherpe veredelte sie das »Gute Nacht« der Motette zum leuchtenden Engelsgesang.

Aufleuchtende Klangereignisse

In der Stiftskirche erklingt das neue »Credo« von Kay Johannsen

Dietholf Zerweck (02.11.2017 Ludwigsburger Kreiszeitung)

Eine Uraufführung im Festkonzert zum Reformationsjubiläum in der Stuttgarter Stiftskirche: Kay Johannsens Credo in Deum verbindet den lateinischen Text des apostolischen Glaubensbekenntnisses mit den Gedanken Martin Luthers aus dessen »Kleinem Katechismus«, und beides erklingt als unmittelbar beeindruckende musikalische Botschaft. (...) Von den Glockenschlägen zu Beginn bis zum tänzerischen Rhythmus der Percussion bei der Darstellung Lutherschen Lebens: Alles atmete den Geist des seinem Glauben und Gewissen verantwortlichen Christen von heute.

Eine Kathedrale der Klänge

Loreto Aramendi brilliert an der Mühleisen-Orgel in der Stiftskirche

Dietholf Zerweck (14. August 2017 Ludwigsburger Kreiszeitung)

Internationale Orgelvirtuosen zeigen in der Stiftskirche auch in diesem Sommer wieder ihr Können, doch was die Spanierin Loreto Aramendi am Freitagabend an Formen und Klängen aus der viermanualigen Mühleisen-Orgel hervorzauberte, war schon außergewöhnlich. (...) In den Orgelbearbeitungen zweier Klavierwerke konnte Loreto Aramendi dann ihre ganze Virtuosität ausspielen: Sergej Rachmaninows Prélude cis-Moll meißelte sie mit dröhnenden Sforzati und wild herabstürzenden Tonkaskaden in den Kirchenraum, und bei Camille Saint-Saens' »Danse macabre« kamen die theatralischen Gebärden höchst effektvoll zum Ausdruck.

Leiden und Leidenschaft

Kay Johannsen hat in der Stiftskirche die Matthäuspassion dirigiert  

Susanne Benda (15.04.2017 Stuttgarter Zeitung)

Drei Stunden musikalisch erfüllte Empathie, drei Stunden, in denen ein Laienchor das Optimum dessen erreicht, was ein Laienchor erreichen kann, drei Stunden Spannung und eine staunenswerte, detailreiche, sehr genaue Durchdringung: So hat am Donnerstagabend Kay Johannsen Bachs Matthäuspassion wirken lassen, und so hat sie ihre Zuhörer berührt. (...) der vielschichtige Eingangschor (mit den Hymnus-Chorknaben) und der Schlusschor, dessen finalen Vorhalt Johannsen am liebsten überhaupt nicht aufgelöst hätte, schließen sich als Klammern fest um eine Aufführung, die das Leiden mit Präzision und Leidenschaft füllt und die Kunst und Gottesdienst ineinander fließen lässt.

Spannendes Musikdrama

Kay Johannsen dirigiert Händels Oratorium »Samson« in der Stiftskirche

Dietholf Zerweck (21.11.2016 Ludwigsburger Kreiszeitung)


Homogen und prägnant

»Schon zu Beginn erstaunt die 80-stimmige Stuttgarter Kantorei durch homogenen Klang und prägnanten Ausdruck, in den zahlreichen Chören des Oratoriums und im ständigen Wechsel der Israeliten und Philister gelingt ihr eine packende Darstellung. (...) Höchst lebendig entfaltet Johannsen mit dem stilsicher musizierenden Ensemble Stiftsbarock, dem Chor und den Solisten den Mittelakt des »Samson«-Musikdramas: Die Sorpanistin Andrea Lauren Brown ist eine verführerische Dalila, der Händel die betörendsten Koloraturen in die Stimme legt. (...) Ein weiterer Höhepunkt ist das Kräftemessen zwischen Samson und dem Riesen Harapha, dem der Bassist Simon Robinson prächtiges Volumen gibt. (...) Grandios auch das Finale mit Trauermarsch. Für die spannende Aufführung gab es begeisterten Beifall.«

Leiden eines biblischen Helden

Kay Johannsen dirigiert in der Stiftskirche »Händels Samson«

Markus Dippold (22.11.16 Stuttgarter Nachrichten)

»Wie meist in Werken dieser Gattung fällt dem Chor eine entscheidende Rolle zu. Der Stiftskantor Kay Johannsen hat seine Stuttgarter Kantorei hörbar gut auf diese Herausforderung vorbereitet. Eindrucksvoll gelingt die Gestaltung des Aufeinanderprallens der Philister und Israeliten im zweiten Akt. Bis zum finalen Gotteslob am Ende des fast dreistündigen Werks bewahren die rund 80 Sänger ihre Leichtigkeit in der Tongebung. Überzeugend ist vor allem die emotionale Auslotung des biblischen Dramas, das zwischen Resignation, Lebensmüdigkeit und Kampfgeist schwankt.«

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