Stiftsmusik Stuttgart

Pressestimmen

Wolkenkratzer und Kathedralen

Kay Johannsens Recital zum Abschluss des Orgelsommers in der Stiftskirche

(3. September 2019 Ludwigsburger Kreiszeitung)

Am Ende des Internationalen Orgelsommers in der Stuttgarter Stiftskirche steht traditionell ein Konzert mit dem Stiftskantor Kay Johannsen. Nicht nur virtuose Sakralmusik aus der Hochzeit der Großorgeln der romantischen Epoche wird dabei geboten, sondern Johannsen spielt auf der viermanualigen Mühleisen-Orgel der Stiftskirche auch eigene Kompositionen und seine bei den Zuhörern beliebten Improvisationen. Diesmal war es eine großartige Choralfantasie über »Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren«, die sich als Höhepunkt des Schlusskonzerts – nach Gastauftritten von Künstlern aus Belgien, Australien, Frankreich, Russland, Österreich und den USA – wie eine imaginäre Kathedrale in den Himmel erhob. (...) Bei Max Regers »Introduktion und Passacaglia f-Moll« von 1901 ist es die Entwicklung von den Kaskadengewittern der Einleitung zu dem aus tiefstem, raunenden Bass-Ostinato aufsteigenden Thema der Passacaglia, über dem sich in ungeheuer fantasievollen Variationen die Spannung bis in metaphysische Dimensionen steigert – ein packender spiritueller Verlauf, den Johannsen meisterhaft gestaltete. (...)  

Des Teufels Gelächter im Gotteshaus

(26. August 2019 Ludwigsburger Kreiszeitung)

Er gilt als einer der besten Konzertorganisten Nordamerikas: der Kanadier Ken Cowan. (...) Virtuosität kennzeichnet die Auswahl eines Programms, das in der für ihn komponierten Étude-Caprice »Beelzebub's Laugh« (Gelächter des Teufels)  der Komponistin Racehl Laurin einen besonders effektvollen Höhepunkt hatte. (...) Bei der 2. Orgelsinfonie von Marcel Dupré – selbst ein weltweit gefeierter Orgelvirtuose und ab 1934 Nachfolger von Charles Marie Widor an der Pariser Kirche Saint-Sulpice – sind es vor allem das Preludio und die Toccata, welche dem Organisten allerhöchste Virtuosität in der Erzeugung von Tonkaskaden, neuartigen Klangmischungen und Schlagzeugeffekten abverlangen. Ken Cowan spielte auch dieses fast halbstündige Werk auswendig: im Hinblick auf die häufig wechselnden Registerkombinationen eine großartige Leistung.

Himmel, Berge, Meeresgrund: Johannes Zeinler in der Stiftskirche

Beim Internationalen Orgelsommer hinterlässt der junge Österreicher Johannes Zeinler bei seinem Gastspiel einen nachhaltigen Eindruck: Mit Bach, durchgehörter Spätromantik und nicht zuletzt mit der Musik eines Zeitgenossen.

(4. August 2019 Stuttgarter Zeitung)

(...) Keinesfalls nur in der Zugabe – Maurice Duruflés Scherzo Opus 2 – war zu vernehmen gewesen, dass Zeinler eher auf das Zu- und Aushören in der Gestaltung zielt, als ein Auditorium lediglich mit Klang zuzudecken. Wundersam luftig und gleichzeitig pointiert formuliert gewann Duruflés Musik Gestalt, formal immer nachvollziehbar und tortz mancher entrückten Passagen eindeutig geerdet. (...) Wie Zeinler einerseits César Francks h-Moll-Choral, im Fundament gestützt auf die alten Kirchentonarten, vor allem in den Zwischenspielen einen stets leichten überirdischen Glanz erspielte und das Werk singen ließ (namentlich im vierten Satz beim Präparieren des Choral-Themas), hatte er andererseits den Atem des Bergwanderers, den es braucht, um Franz Schmidts gewaltige und fordernde Chaconne cis-Moll anzugehen. (...) Eine kleine Sternstunde, ...

Vielstimmig und nachhaltig

Über 50 Veranstaltungen beim dreitägigen Stiftsmusikfest

(2. Juli 2019 Ludwigsburger Kreiszeitung)

(...) Kay Johannsen und seine vor 25 Jahren von ihm gegründete Stuttgarter Kantorei feierten am vergangenen Wochenende Jubiläum, und die Fülle des Gebotenen beim "Stiftsmusikfest" war beeindruckend. Nachdem die Bachakademie ihr Musikfest Stuttgart in diesem Sommer abgeblasen hat, was das auf drei Tage konzentrierte, kleine aber feine Geburtstagsfestival eine von den Besuchern zahlreich begrüßte Alternative. Nach dem Bach-Programm "Vokal & Tanz" zur Eröffnung am Freitagabend in der Stiftskirche mit den Jubilaren bot der Samstag ein reiches Programm an ganz unterschiedlichen Spielorten. So konnte sich der Besucher im Kunstmuseum beim "Ohren-Tanz" zwischen Bildern von Otto Dix und Martin Greed mit der Frage "Wie klingen Gemälde" auseinandersetzen: originell und beeindruckend die Performance über ein Gedicht von Syvlia Plath oder die Vokalmusik von Hildegard von Bingen inmitten der Kunstwerke. (...) In der Schlosskirche gab es dann Chorkunst aus dem Baltikum: Das vorzügliche Emila Darzina Jauktais Koris aus Lettland mit der Sopranistin Nora Kalnina als Dirigentin sang Werke von Mendelssohn und Brahms bis zu Arvo Pärt und jungen zeitgenössischen baltischen Komponisten. Bei den hochsommerlichen Temperaturen bekam Irina Rebhunas "Feuer-Ritual" hier seine ganz besondere Vitalität.

Machtvolles Oratorium

Kay Johannsen und die Stuttgarter Kantorei mit Händels "Israel in Egypt" in der Stiftskirche

(4. Juli 2019 Ludwigsburger Kreiszeitung)

Für das Abschlusskonzert des Stiftsmusikfestes hätte Kay Johannsen zum 25-Jahr-Jubiläum seiner Stuttgarter Kantorei kaum ein besseres Werk wählen können als Georg Friedrich Händels Oratorium "Israel in Egypt": Nicht weniger als 31 stilistisch ganz unterschiedliche Chöre zählt dieses  dreiteilige Chor-Epos (...). Wie Johannsen seine 80-stimmige Kantorei und das groß besetzte, auf historischen Instrumenten musizierende Ensemble Stiftsbarock bei hochsommerlichen Temperaturen in der Stiftskirche ohne die geringsten Schwächen durch das Zweieinhalb-Stunden-Werk führte, ist aller Ehren wert. Die Stuttgarter Kantorei, als semiprofessioneller Großchor in der Vergangenheit mehrfach bei Wettbewerben mit Preisen ausgezeichnet, bot eine hervorragende Wiedergabe, auch die sechs Gesangssolisten begeisterten. (...) Komplex polyfon und wie die einleitende Sinfonia von dunkler Trauer erfüllt, artikuliert der Chor die Seufzer des Volks, blockartig homofon dagegen reflektiert er Niedergang der Mächtigen: "How is the mighty fall'n!" (...) Die Heerscharen von Fliegen, Läusen, Heuschrecken werden von den Chor- und Orchesterstimmen eindinglich beschworen, die ganze Stiftskirche scheint davonzuschwirren oder von Hagel- und Feuerstürmen zu prasseln. (...) Die Sopranistinnen Carine Tinney und Maria Taxidou liefern sich mit "The Lord is my strength" ein anmutig wohlklingendes Duett, die Bässe David Pchlmaier und Sebastian Myrus halten mit "The Lord is a man of war" martialisch dagegen, der Tenor Hans Jörg Mamel erzählt in seinen Rezitativen die Exodusgeschichte detailliert neu, und der wunderbare Countertenor Alex Potter singt in seiner Arie vom Einzug der Israeliten. (...)

Zwischen Symphonie und Oratorium

(23. April 2019 Ludwigsburger Kreiszeitung)

Die Aufführung (der Missa solemnis von Ludwig van Beethoven an Karfreitag, Anm. der Red.) mit der Stuttgarter Kantorei, der mit Instrumentalisten der großen Stuttgarter Orchester prominent besetzten Stiftsphilharmonie und namhaften Gesangssolisten in der Stiftskirche, erreichte an diesem Tag eine besondere spirituelle Qualität, die in Johannsens Interpretation überwältigte. (...) Auch in der »Adoramus te«-Fuge (»Wir beten dich an«) zeigt der Chor, mit welch hervorragend geschulter Artikulation und makelloser Interpretation er sich im Wettkampf mit dem Orchester behauptet. Mit mitreißendem Drive spannt Johannsen dann den Bogen zur Schlussfuge und den wie Blitze niederfallenden »Gloria«-Rufen. 

Weites Feld

Rejoice - Vokalmusik von Kay Johannsen

(15. Januar 2019 Stuttgarter Zeitung)

Die Musik kommt von der Praxis: Sie will gesungen werden, sie ist dem Chor (dem solistenensemble stimmkunst) und den Solisten (unter anderen der Sopranistin Franziska Bobe, die mit ihrem fast knabenhaften vibratoarmen Solo bei »Der Herr ist mein Hirte« nachhaltig bezaubert) gleichsam in die Kehle komponiert. Die Harmonik ist freundlich erweitert, im Herzen tonal; zu hören sind Cluster ebenso wie weit geschwungene Melodielinien. Diese Musik will klingen, will verstanden werden, und sie will auch schlicht in Schönheit wirken. Dabei ist das stilistische Feld keineswegs eng – was auch damit zusammenhängt, dass Johannsen seine Mittel an den vertonten Texten ausrichtet. Da steht Mehrchöriges neben Gospelartigem, rhythmische Schärfung neben den Gegenstimmigem und reinem Gesang, und klare Bezüge zur kirchenmusikalischen Tradition wechseln sich ab mit betont freien Passagen. Hörend meint man einen Kosmus zu durchschreiten. Hätte Stuttgart die Fähigkeit zum Stolz: Bei diesen Werken ihres Stiftskantors fände die Stadt Gründe dafür.

Bravouröse Klangvisionen

Nathan Laube beeindruckt seine Zuhörer beim Internationalen Orgelsommer in der Stiftskirche

(10. August 2018 Ludwigsburger Kreiszeitung)

Er ist ein Topstar der internationalen Orgelszene. Ob er nun in Notre Dame in Paris oder in der Londoner St. Paul's Cathdral, in der King's College Chapel in Cambridge oder in der Walt Disney Concert Hall in Los Angeles musiziert: Nathan Laube beigeistert und erstaunt sein Publikum sowohlh durch seine atemberaubende Virtuosität wie auch durch die absolut überzeugende Stilistik seiner Interpretationen. (...) Atemberaubend jedoch ist seine ((Nathan Laube)) Bearbeitung, auf der Basis der Transkription Edwin Lemares, von Richard Wagners »Tannhäuser«-Ouvertüre. Wenn sich das Pilgerchor-Thema und die Venusberg-Kaskaden überlagern, erzeugt Nathan Laube mit zwei Händen gleichzeitig auf drei Manualen und den Pedalwirblen seiner Füße einen Rausch der Ekstase, welcher der originalen Orchesterversion in rein gar nichts nachsteht. Hier wird die Mühleisen-Orgel mit ihren 81 Registern zum unglaublich prächtigen, ausdrucksstark differenzierten Instrument einer Klangvision, die von Laubes grandioser Virtuosität geprägt ist.

Orgelsommer: Faszination französischer Kathedralmusik

Orgelkonzert Karol Mossakowski, 6. Juli

(9. Juli 2018 Ludwigsburger Kreiszeitung)

Unter den Veranstaltungsreihen der Orgelzyklen (...) spielt der Internationale Orgelsommer in der Stiftskirche eine besondere Rolle. Hier zeigen Orgelvirtuosen aus aller Welt auf der Mühleisen-Orgel ihr bewundernswertes Können, und gerade das französische Repertoire ist in diesem Juli und August wieder ausgiebig präsent. (...) Karol Mossakowski ist nicht nur ein souveräner Interpret französischer Orgelmusik, sondern brilliert auch mit eigenständigen Improvisationen, die er im Konzert in der Stiftskirche zwischen den Werken von Charles Tournemire, César Franck und Maurice Duruflé platzierte. (...) Seine ((Charles Tournemire)) »Victimae paschali laudes« beginnt mit einer strahlenden Fanfare, nach der Karol Mossakowski die zahlreichen reizvollen Soloregister der Mühleisen-Orgel wunderbar zum Klingen brachte. Die mystische Klangwelt des Komponisten entfaltete sich organisch, die brillante Schluss-Toccata zeigte die großartige Virtousität des jungen polnischen Organisten. 

Trauermusik zur Fastenzeit

»Actus Tragicus« bei Bach:vokal in der Stuttgarter Stiftskirche

Dietholf Zerweck (27. Februar 2018 Ludwigsburger Kreiszeitung)

(...) Die 16 Gesangsprofis gerantieren einen lupenreinen Chorklang, was sich schon in Bachs Trauermusik »O Jesu Christ, meins Lebens Licht« mit voller Streicherbesetzung, Continuo und konzertierenden Oboen des Ensemble Stiftsbarock aufs Schönste verwirklichte. Be der einleitend musizierten Kantate «Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn« zeigten sich dagegen die solistischen Instrumente von Traversflöte, Violine und Oboe d'Amore im reizvollen Dialog mit den Gesangssolisten. Mit starkem Ausdruckskontrast hat Bach im »Actus Tragicus« die Auseinandersetzung von Chor, Solo-Sopran und instrumentalem Cantus Firmus komponiert. Hier bot die junge Sopranistin Franzsika Bobe eine wunderbare lichte, verklärte Deutung des Todes aus neutestamentarischer Sicht, und zusammen mit Magdalena Harer und dem Tenor Stephan Scherpe veredelte sie das »Gute Nacht« der Motette zum leuchtenden Engelsgesang.

Seite 1 von 5 Seiten 1 | 2 | 3 | ... | 5