Stiftsmusik Stuttgart

... mit Marie Sophie Goltz

Marie Sophie Goltz, ab Oktober 2017 Assistentin von Stiftskantor Kay Johannsen, im Gespräch mit Ulrike Albrecht

Herzlich willkommen, liebe Marie Sophie, bei der Stiftsmusik, wo Du ab sofort und für ein Jahr als Assistentin des Stiftskantors arbeitest! Vielleicht kannst Du uns zum besseren Kennenlernen kurz erzählen, wo Du herkommst und wie Du zur Musik gekommen bist, zur Orgel, zur Kirchenmusik?

Gerne! Ich habe mit fünf Jahren mit Klavierspielen angefangen, in meiner Heimatstadt Rendsburg in Schleswig-Holstein. Meine beiden Geschwister, die neun und zehn Jahre älter sind als ich, haben Klavier gespielt – und also wollte ich als Nesthäkchen das auch. Zur Orgel bin ich dann erst mit 14 Jahren gekommen. Davor hatte ich eigentlich sehr viel Angst vor dem Instrument. Ich erinnere mich, wie ich als Kind immer im Gottesdienst saß und jedes Mal furchtbar erschrocken bin, wenn die Orgel anfing zu spielen. Mit zwölf wurde ich dann von meinem Musiklehrer gefragt, ob ich nicht Orgel spielen wolle, aber das wollte ich überhaupt nicht. Mit 14, während des Konfirmandenunterrichts, wurde ich dann noch einmal gefragt, jetzt von der Pastorin. Da hatte ich gerade zum ersten Mal mit Klavier bei Jugend musiziert mitgemacht – und wollte eigentlich Pianistin werden, das war mein großer Traum! Orgel, dachte ich, passt einfach nicht zu mir. Aber ausprobieren konnte ich es ja zumindest mal ... – und schon nach der ersten Orgelstunde war klar: Das muss es sein! Die Faszination war so groß, ich fand die Größe dieses Instruments so beeindruckend, die ganze Technik, die dahinter steckt, ... die vielen Möglichkeiten! Meinen ersten Gottesdienst habe ich übrigens nach zwei Wochen Orgelunterricht gespielt ... das war schon waghalsig (lacht!) ... Aber schon kurz darauf spielte ich ganz regelmäßig in der Kirche.

In die Vollen also, von null auf hundert ...

Ja, ich hatte Feuer gefangen. Und wie! Mit 17 habe ich dann an der kirchenmusikalischen Fortbildungsstätte in Schlüchtern die C-Prüfung gemacht, um meine erste Orgel- und Chorleitungsstelle in einem kleinen Dorf bei uns in der Nähe anzutreten, alles neben der Schule.

Und nach dem Abitur hast Du Dich folgerichtig für ein Studium der Kirchenmusik entschieden.

Genau. Ich hatte zwar immer noch und immer wieder mal auch mit einem Studium in Klavier oder Korrepetition geliebäugelt ... Als Teenager hatte ich immer Freude daran, die Klavierauszüge von Matthäus- oder Johannes-Passion runter zu rocken (lacht!) ... Aber dann ist es doch die Kirchenmusik geworden. Und ich habe es nie bereut, mich so entschieden zu haben! 

Als Kirchenmusikerin hat man ja auch ein klares Berufsziel vor Augen.

Ja, und das war auch meinen Eltern sehr recht, sie sind beide Lehrer und als Lehrer Beamte, und natürlich hatten sie die Sorge, dass ich mich mit der Musik für eine brotlose Kunst entscheide. Schulmusik war nicht mein Ding, ich wollte nicht in die Schule, also stellte sich die Frage: Was könnte ich sonst machen? Was gibt es an gesicherten Berufen in der Musik? Der Beruf des Kirchenmusikers ist ein gesicherter Beruf – und so herrschte sehr schnell Einvernehmen, dass es das werden soll, nein für mich: werden muss! Das Schöne an der Kirchenmusik ist ja auch, dass man eben nicht nur an der Orgel sitzt, sondern auch viel mit Menschen zu tun hat. Mich hat auch der soziale Aspekt an diesem Beruf immer sehr gereizt und interessiert, weil ich eben auch – ich glaube, das merkt man (lacht!) – ein kommunikativer Mensch bin.

Du hast dann in Würzburg und in Frankfurt studiert, vor kurzem Deinen Master-Abschluss gemacht – und jetzt stehst Du an der Schwelle zwischen Studium und Beruf: Wie orientiert man sich da als Kirchenmusikerin?

Bei mir war das ganz einfach so: Ich hatte – noch mitten in den Prüfungsvorbereitungen – per Zufall von dieser Stelle hier in Stuttgart erfahren und mich dann bei Kay Johannsen gemeldet. Ich habe mich beworben – und er hat mich zum Vorspiel eingeladen. Und ganz ehrlich: Ich war nie in meinem Leben aufgeregter als bei diesem Vorspiel! Weißt Du: Ich kannte die Stiftskirche schon. Mein ehemaliger Würzburger Orgelprofessor Christoph Bossert hatte mir immer wieder von den musikalischen Aktivitäten hier vorgeschwärmt, und ich habe das dann auch im Internet und auf Facebook verfolgt. Und letztes Jahr im Juni habe ich dann sogar als Mitglied des Würzburger Kammerchors in der Stunde der Kirchenmusik ein Konzert hier gesungen. Das war für mich etwas ganz Besonderes, ich bin mit aller Ehrfurcht hier angereist! Und dass ich mich dann ein Jahr später sogar hier vorstellen durfte, das war schon eine Nummer! Ich war wirklich furchtbar aufgeregt!

Aber die Aufregung hat sich gelohnt: Am 1. Oktober trittst Du Deine Stelle als Assistentin des Stiftskantors an: Welche Aufgaben warten auf Dich?

Vielfältige! Sehr vielfältige! Es stehen Büroaufgaben an, es stehen Orgeldienste an, Planungen  und Betreuungen von Bach:vokal; es steht der Chorwettbewerb in Bretten an, wo ich mitsingen darf in der Stuttgarter Kantorei; das Assistenten-Konzert am 9. Februar steht an ... und wahrscheinlich noch viel mehr, von dem ich noch gar nichts weiß ... (lacht!).

Und worauf freust Du Dich am meisten?

Auf die Mühleisen-Orgel!

Apropos Mühleisen-Orgel: Gleich am 18. Oktober hast Du Deine erste öffentliche Orgelführung. Schon aufgeregt?

Ich bin gespannt! Ich habe mich im Vorfeld schon ein bisschen vorbereiten können, auch dank der Hilfe des zweiten Organisten Felix Mende. Denn das muss schon Hand und Fuß haben! Aber jetzt freue ich mich darauf, die Orgel näher und vor allem persönlich kennenzulernen! Aber schon nach der ersten Begegnung beim Vorstellungs-Vorspiel war mir klar: Die Orgel ist einfach klasse, ich habe sie jetzt schon sehr, sehr gern – und ich hoffe, wir kommunizieren gut miteinander!

Das war ein schönes Schlusswort! Danke, liebe Marie Sophie, für das lebendige Gespräch!