Stiftsmusik Stuttgart
MONAT_ZURUECK April 2017:  MONAT_VOR

... mit Felix Mende

© Sandra Wolf

Felix Mende, 2. Stiftsorganist an der Stiftskirche, im Gespräch mit Gabriele Zerweck

 

Um das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden, genießen mein Kollege Felix Mende und ich die ersten warmen Sonnenstrahlen beim Lunch auf dem Schillerplatz. Zwischen der Leitung des C-Kurses und der täglichen Mittagsandacht in der Stiftskirche hatte Felix heute die große Herausforderung zu bewältigen, handschriftlich (und leserlich!) auf die 24 Dankesbriefe der Klasse 3 c der Grundschule Gaisburg zu antworten, die er nach seiner Orgelführung erhalten hatte. Wie gewohnt ging er die Sache humorvoll an...

 

Dann starten wir mal mit dem Gespräch, lieber Felix. Wann ist Dir der Name Kay Johannsen eigentlich das erste Mal begegnet?

 

Das war auf seiner allerersten CD in einem Antiquariat – die Einspielung war längst vergriffen und ich hab’ sie mir für ein paar Euro im Urlaub gekauft... Dann ist irgendwann eine Freundin von mir, Anna Lucia Richter, bei »Stiftsmusik für alle« eingesprungen und ich bin zum Spaß mit nach Stuttgart gefahren. Ich war von dem Projekt und auch von dem gesamten musikalischen Programm an der Stiftskirche echt beeindruckt und durfte sogar noch eine Stunde an die Mühleisen-Orgel. Den damaligen Assistenten, Sebastian Bethge, hatte ich bei »Stiftsmusik für alle« dann auch in Aktion erlebt und da wusste ich: das will ich auch.

 

... und so wurde Felix in 2012/2013 musikalischer Assistent von Kay Johannsen an der Stiftskirche ...

 

Ich kann mich noch gut erinnern, dass Dir zu Beginn Stuttgart nicht so ganz zu gesagt hat – und das ist noch freundlich formuliert... hat sich da inzwischen was verändert?

 

Ja, absolut! Inzwischen weiß ich ja die Vorteile zu schätzen: Die Menschen hier sind sehr nett, man hat das Gefühl willkommen zu sein und der Schwabe an sich ist doch ein Menschenfreund. Auch die schwäbische Küche sagt mir zu, den hiesigen Wein weiß ich sehr zu schätzen und ich hab’ sogar ein Lieblingsweingut (darf ich das überhaupt nennen? Klar): Wöhrwag in Untertürkheim. ... Klar gibt es auch noch ein paar Dinge die mir fehlen, das Wasser, also ein großer Fluss oder sowas wie das Leipziger Neuseenland und Fahrradfahren würde ich auch gerne wieder mehr...

 

»Stiftsorganist« hört sich so an, als ob Du die meiste Zeit an der Orgel verbringst, ist das so?

 

Ja, das ist tatsächlich so, entweder spielend oder übend...

 

Und was machst Du sonst so, wenn Du mal nicht an der Orgel sitzt?

 

Hm, gute Frage... also die meiste Zeit verbringe ich wirklich an der Orgel... ansonsten gehe ich sehr gerne gut essen, gerne auch mit leckerem Wein dazu und dann geht natürlich für das Pendeln sehr viel Zeit drauf – ich fahre ja nicht nur wegen des Studiums regelmäßig nach Leipzig sondern auch aus privaten Gründen.

 

Hörst Du privat denn auch Musik?

 

Oh ja, viel und gern! Ich mag Jazz und Gospel sehr und versuche mich darin auch immer mal wieder selbst... Aber auch klassische Musik und viel Kirchenmusik – ich werde nie müde die zu hören, da es einfach so viel davon gibt! ... wobei ich nach der Karwoche mir die Matthäuspassion wahrscheinlich mal eine Weile nicht anhören werde...

 

Würdest Du wenn Du es heute zu entscheiden hättest, wieder Kirchenmusik studieren?

 

Auf jeden Fall! Es ist ein schönes Studium und ein schöner Beruf. Das schönste ist, das man als Musiker arbeiten darf.

 

Wie kam es überhaupt zu Deiner Entscheidung für die Orgel?

 

Mein Bruder und ich sollten Klavier lernen, da meine Mutter es schon immer lernen wollte, es in ihrer Kindheit auf dem Land damals aber nicht möglich war. Also starteten wir zu dritt und ich war der einzige der am Ende übrig blieb. lacht Meine Klavierlehrerin kam dann auf die Idee, dass ich mal Orgel ausprobieren sollte, da der örtliche Kantor dringend Nachwuchs suchte. Die ersten zwei Stunden fand ich auch super (klar, technisch spannend und das Instrument für mich war damals riesig, wenngleich es kleiner ist als das Rückpositiv der Mühleisen-Orgel!), doch danach wurde mir schnell klar: Orgel muss man viel mehr üben als Klavier und es dauert viel länger bis was Hörbares raus kommt! Das fand ich dann nicht mehr so super und die ersten 2 Jahre waren zäh... Ich hätte wahrscheinlich auch aufgehört, aber irgendwann gingen mir die Ausreden gegenüber meiner Mutter und meinem Lehrer aus, und es war viel anstrengender zu begründen, warum ich nicht Orgel spielen wollte als einfach zu spielen ...

 

Du bist ja für den Orgel-Nachwuchs hier an der Stiftskirche verantwortlich, da Du den C-Kurs leitest und Orgelunterricht gibst. Was wäre Dein Tipp für Anfänger an der Orgel?

 

Also, man kann als einzelne Person mehr Klangmassen bewegen als ein ganzes Sinfonieorchester! Man kann mit der Orgel in ganz unterschiedlichen Formationen spielen, solo, als Begleitinstrument, kammermusikalisch... man kann Stimmungen erzeugen, Atmosphären... einfach großartig! Trotzdem würde ich empfehlen, in den Chor zu gehen oder noch ein anderes Instrument zu spielen, da man sonst vereinsamt.

 

Aha, das Klischee des einsamen Organisten stimmt also...

 

... ja, das tut es. Ich hab’ ja auch Klarinette früher gespielt schmunzelt bei der Erinnerung aber doch lieber aufgehört ... Felix erzählt auch warum, aber das bleibt off record

 

Dann läufst Du inzwischen also Gefahr, an der Orgel zu vereinsamen – was tust Du dagegen?

 

lacht Genau – ich pflege intensiv meine sozialen Kontakte, und versuche viel mit anderen zu musizieren, wie zum Beispiel mit Katarzyna Myćka an der Marimba am 5. Mai in der Stunde der Kirchenmusik.

 

Lieber Felix, vielen Dank – das ist eine wunderbare Überleitung zu Deinem Konzert, wir freuen uns jetzt schon drauf!


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